Gedanken zur Post-Corona-Stadt

verfasst von Freya Brandl

 

Präambel

Das Corona Virus zeigt uns, wie sehr wir mit allem Lebendigen in der Natur verbunden sind. Und es stellt sich die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Die Pandemie und die Klimakrise verlangen einen Wandel im Denken und Handeln, nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch in der Stadt- und Regionalplanung.

 

Wie wird sich die Corona-Krise auf die Städte und urbanen Ballungsräume auswirken?

 

Folgende Tendenzen sind erkennbar:

 

  • Es ist mehr Raumbedarf für Wohnen angesichts einer möglichen dauerhaften Verlagerung von Büro-Arbeitsplätzen in Privatwohnungen (Homeoffice) oder für „Co-Working/Teaching/Learning Spaces“ als Teil der Daseinsvorsorge einzuplanen.

  • Stationärer Einzelhandel versus Onlinehandel:
    Die Krise des stationären Einzelhandels in Innenstadtlagen bedeutet eine Gefährdung von Urbanität und Vitalität in der Innenstadt sowie in Stadtteilzentren bei gleichzeitiger Zunahme von Großstrukturen des Online-Handels (Logistikzentren, Lagerhallen etc.) in Ortsrand- und peripheren Lagen.

  • Produktion, Dienstleistung:
    Die Corona-Krise kann zu einer Verstärkung des bestehenden Trends zur Rückkehr stadtverträglicher urbaner Produktion (Manufakturen) in den Städten führen, wobei sich Orte von Wohnen, Arbeiten, Freizeit und auch urbaner Kultur überlagern können.

  • Freiraumsicherung vs. bauliche Nachverdichtung:
    Die bauliche Nachverdichtung sollte auf die Notwendigkeit der Kommunikation und Bewegung im Freien Rücksicht nehmen. Ihre Gestaltung beeinflusst soziales Verhalten, emotionales Wohlbefinden und die psychische Gesundheit der Stadtbewohner. Besonders den Kindern aller Altersgruppen muss gerade wegen des Home-schoolings viel Aufenthalt im Freien ermöglicht werden.Der erhebliche Rückgang sozialer Aktivitäten kann bei einigen die subjektive Einsamkeit erhöhen. Hier sind hauptsächlich die alleinlebenden Menschen betroffen. Die Notwendigkeit des Physikal-Distancing erschwert soziale Interaktion, gegenzeitige Unterstützung sowie gemeinschaftliches Zusammenleben.

  • Verkehr und Mobilität:
    Infrastrukturen, die auch in andere Bereiche (Gesundheit, Bildung, Energie) hineinwirken und zu Versorgungsengpässen führen, müssen kritisch hinterfragt werden und  mit Hilfe von kleinteiligen Strukturen ergänzt werden. Hinsichtlich Mobilität muss die Umverteilung zu Gunsten des nicht motorisierten Verkehrs weiter forciert werden 
     
  • Immobilienwirtschaft:
    Insolvenzen und Leerstände (Erdgeschosszonen, Ladenlokale) werden kommen. Die Verlagerung von Arbeit ins Homeoffice könnte zu einem Rückgang von Büroflächen führen. Büroflächenumbau zur Entlastung des Wohnungsmarktes wäre das Ziel.  Fördeprogramme zur Erstellung von Analysen und Prognosen werden notwendig.
     
  • Dezentrale Einrichtungen von Handel, Schulen, Gesundheitsversorgung, deren räumliche Verteilung und Erreichbarkeit digital unterstützt, aber nicht kompensiert werden kann, bleiben weiterhin erforderlich.
     
  • Der dramatische Einbruch im Tourismus wirkt sich regional und ökonomisch auf allen Ebenen aus. Geschäfts- und Kongresstourismus in den Städten ist nahezu zum Erliegen gekommen. Die Hälfte der Hoteliers und Gastronomen stehen angeblich vor existenziellen Problemen.

  • Im ländlichen Raum und an den Stadträndern sieht man derzeit neue Potenziale. Das Einfamilienhaus  wird als Zufluchtsort  (pandemisches Refugium) gesehen. Es scheint sicher, man kann Abstand halten und trotzdem im Homeoffice arbeiten. Eine ökologische und soziale Alternative dazu wäre das Wohnen in gemeinschaftlichen Wohnprojekten. Dort besteht die Möglichkeit, Distanz UND Nähe, leben zu können

Leitbild der kompakten europäischen Stadt:

 

Die Stadt zeigt in der aktuellen Pandemie ihre Stärken und Schwächen. Die Stärken liegen in der derzeit noch guten nahräumlichen Versorgung.  Die Schwächen können durch Schaffung großer öffentlicher Grünräume und durch Bepflanzen von Gebäuden behoben werden. Die Überhitzung der Städte verlangt eine klima-angepasste Stadtplanung.

Einrichtungen der Gesundheitsversorgung  sind sowohl zentral als auch dezentral  erforderlich.

 

Die „luftige Stadt“ hat viele kleine Zentren, in denen die Menschen sich in kleinen Gruppen treffen können. Die Stadt der kleinen Einheiten ist überschaubar, funktionsfähig und umweltfreundlich.

 

Die Post-Corona-Stadt hat nicht nur die Ökologie der Natur, sondern  auch die der Gesellschaft im Blick. Soziale Netze und kulturelle Vielfalt sind für die Menschen genauso lebenswichtig wie die Daseinsvorsorge in einer „gesunden Stadt“.

 

Resüme:

Veränderungen, die im Lockdown eingeübt wurden, sollten diskutiert bzw. überprüft werden und eventuell dauerhaft weitergeführt werden. Neue Arbeits- und Wohnwelten mit räumlichen und infrastrukturellen Implikationen zeichnen sich ab, ebenso neue Strukturen im Einzelhandel sowie die Zunahme von Großstrukturen des Online-Handels.

Eine besondere Rolle spielt die Sicherstellung der Nahversorgung. Aufkommende soziale Ungleichheiten sollten durch Unterstützungsmaßnahmen beruhigt werden

Ein Paradigmenwechsel in der Bodenpolitik ist notwendig. Wohnen ist keine Ware, sondern ein Grundrecht.

Die Wirkmächtigkeit der Stadtbewohner sollte ausgebaut und ihr Gemeinsinn gestärkt werden.

Corona ist ein Brandbeschleuniger. Probleme, die sich schon vorher „im Untergrund“ gezeigt  haben, kommen jetzt intensiv zum Vorschein. Die Suche nach Lösungen und deren Bearbeitung werden unumgänglich.

Hintergrundpapier: SARS-COV-2_Pandemie: Was lernen wir daraus für die Raumentwicklung, Akademie der Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft,

TV-Sendung 3-SAT, „Ausverkauf der Städte“, Scobel, 25.3.2021

Freya Brandl

Thoughts on urban development in a Post-Pandemic Era

 

Preamble

 

The Corona virus has shown us, how closely we are connected with all creatures alive. Thus, the question arises: how do we want to live in the future? The pandemic and the climate crisis make a change in our actions and thinking necessary, not only regarding our health system, but also as far as regional and urban planning are concerned.

 

What will be the effect of the corona crisis on cities and urban agglomerations?

 

The following trends can be identified:

  • More living space has to be included in future house planning in view of a possibly permanent transfer of office work space to work space in private homes as well as “co working/teaching/learning spaces as part of providing for the future. 
  • Local retail vs online shopping:
    The crisis of local retail in city centers and centers of various communities within greater cities or villages results in a decline of urban life and vitality and at the same time to an increasing number of facilities for online trade, such as warehouses and centers for the distribution and delivery of goods on the outskirts of cities. 
  • Service and production:
    The corona crisis can reinforce the existing trends towards manufacturing within the boundaries of a city, which are beneficial for urban life, and at the same time there can be an overlapping of living and working spaces as well as common spaces for leisure activities and urban culture. 
  • Providing sufficient common spaces vs redensification:
    Redensification in building sites should include the need for communication and outdoor sports into consideration. The way how this is handled has a great impact on the emotional well-being and mental health of city dwellers. Especially children of all ages should be provided with ample facilities and common space for outdoor activities mainly because of homeschooling due to the pandemic. The dramatic reduction of social contacts and group activities can lead to an increased individual sense of isolation. This is especially true for singles. The necessity of physical distancing makes mutual contact and support increasingly difficult not only on an individual basis but also as far as living together as a community is concerned. 
  • Traffic and mobility:
    Infrastructures which affect other areas such as health, education and energy, and which can lead to a supply shortage must be regarded critically and must be modified on the basis of small-sized structures. As far as mobility is concerned, there must be an enforced shift towards non-motorized traffic. 
  • Real estate economy:
    In the future there will be insolvencies and empty shops or empty ground floor spaces will perhaps be the result. The transfer of work from offices to private homes could lead to a reduction of office space. The aim could be to convert offices into flats in order to relieve the strain on the housing market. Development programs for in-depth analysisand prediction will be necessary. 
  • Furthermore, decentralized facilities for trade, schools and health care will be required. Their local distribution and accessibility can be supported digitally, but cannot be compensated digitally. 
  • The dramatic drop in tourism affects all regional and economic areas. Business and congress travelling has nearly come to a standstill, half of hotel and restaurant owners are facing enormous challenges. 
  • In rural areas and on the outskirts of towns there appear new potentials. A single-family house is regarded as place of refuge (pandemic sanctuary). It appears to be safe; you can keep distance to other people and work at the same time. A social and economic alternative could be collaborative housing. There you can keep “Distance and Closeness” in living and working and not being alone.

 

Model of the compact European city:

 

At the time of the current pandemic the city reveals its strengths and weaknesses. The strength of a city lies in its still working local supply. The weakness, namely traffic and density, can be removed by creating vast open common green spaces and by covering buildings with plants. The overheating of cities requires careful climate-adapted urban planning. Health care facilities must be central as well as decentral. The “airy” city has a number of small centers where people can meet in small groups. Cities consisting of small units are manageable, functional and environmentally friendly. The post-corona city does not only take care of the ecology of nature but also of the ecology of the society. Social networks and cultural diversity are as important for people as the supply of the basic necessities of life in a “healthy” town.

 

Conclusion:

Those changes, that have been exercised during the lockdown, should be discussed and evaluated and perhaps permanently continued. New areas of working and living with spatial and infrastructural implications appear, as well as new structures in retail businesses and the increase of larger dimensions of online trading. A crucial point is the security of local supply of goods. Upcoming social discrepancies should be calmed with the help of support arrangements. Paradigms as regards land policy must be shifted. Living is not a product, but a basic human right. Empowerment of citizens must be consolidated and their sense of community must be strengthened. “Corona is an incendiary”. Problems, that had been visible “underground” intensively, come to the surface. The search for solutions and tackling them is absolutely essential.

 

Backgroundpaper: SARS-COV-2_Pandemic: What is the outcome for future urban development? Akademie der Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft; TV-programme 3-SAT, „Sale of cities“, Scobel, 25.3.2021 Research „Die Zeit“ and other journals

 

12.04.2021


Baugruppen "Am Seebogen"

Baugruppenprojekt "kolok-as: kolokation-am-seebogen"
Baugruppenprojekt "kolok-as: kolokation-am-seebogen"

 

 

 

 

In der Seestadt Aspern sind weitere Baugruppenprojekte geplant, und zwar im Bereich "Am Seebogen".

Das Projekt "kolok-as: kolokation-am-seebogen" ist eines davon.

 


Information zum Wettbewerbsprojekt "kolokation-am-seebogen"

Foto: Isabel Stumfol
Foto: Isabel Stumfol

 

"kolokation-am-seebogen" wurde prämiert

 

 

Bei dem Baugruppenverfahren in der Seestadt Aspern gab es vier eingereichte Projekte und zwei Sieger, nämlich "Leuchtturm Seestadt" und "kolokation-am-seebogen".

 

Die „neuen Alten“ wollen nicht “betreut” werden, und sie wollen auch nicht alleine leben, sondern selbstbestimmt und in Gemeinschaft mit anderen - möglichst urban, denn sie wollen MIT und FÜR das Quartier leben d.h. eventuell Oma- / Opa-Dienste übernehmen, als „senior-experts“ jüngere „start-ups“ unterstützen, Deutsch-Konversation anbieten, Nachhilfe-Unterricht geben, den Kindern in Kindergärten und Schulen von ihrem Leben erzählen oder einfach da sein, wenn sie gebraucht werden. Ebenso wollen sie in einer netten Gemeinschaft wohnen, und auch noch ein bisschen glücklich sein.

Die Integration von Wohngemeinschaften von Älteren in ein Quartier bewirkt aus gesamtstädtischer Sicht eine hohe Energie-, Flächen-, und Kosteneffizienz, denn Ältere ziehen aus ihren ehemaligen relativ großen Familienwohnungen aus und gehen in kleinere Einheiten eines Projektes von Kolokation. Dort genießen sie das Zusammenleben in der Gemeinschaft und profitieren von der gegenseitigen Hilfe und Zuwendung. Der Einsatz mobiler Dienste kann so minimiert werden und die frei-werdenden Wohnungen stehen außerdem jungen Familien zur Verfügung.

Die Baugruppe „kolokation-am-seebogen“ möchte Leben in das Stadtentwicklungsgebiet Seestadt-Aspern bringen und einen Prozess ankurbeln, bei dem die Zusammenarbeit und das Zusammenwohnen von ALT UND JUNG intensiv praktiziert wird. Sie möchte die Chance und die Begeisterung von ALT UND JUNG nutzen. Die Jüngeren können von der Erfahrung der Älteren und diese von der Vitalität der Jugend profitieren. Gemeinsames Tun, gegenseitige Hilfe, Kreativität und Empowerment machen stark und ermöglichen es, in der Seestadt ein angenehmes Leben zu führen.

 

Wollen Sie mitmachen? JA? Dann melden Sie sich bitte bei  Freya Brandl


 

Sie möchten Ihr Leben im Alter gesellig, tatkräftig und in Gemeinschaft verbringen?

 

Dann hätten wir einen Tipp für Sie: "kolokation-am-seebogen" in der Seestadt-Aspern. Das ist eine Baugruppe, die ein leistbares Gemeinschafts-Wohnhaus für Menschen 50+ und junge Leute plant. Jetzt wäre der ideale Moment, um einzusteigen und mitzubestimmen.

 

Infoabende und Workshops finden in regelmäßigen Abständen in der Bürogemeinschaft Nestroyhof, 1020 Wien, Nestroyplatz 1, Stiege 3, Tür 32 statt.

Die nächsten Termine werden in Kürze bekannt gegeben.

 

Infos unter Freya Brandl


kolokation-sonnwendviertel

Rendering: baumschlager-eberle
Rendering: baumschlager-eberle

 

 

Wohnprojekt

"kolokation-sonnwendviertel"

 

Das erste in ein Mehrfamilienhaus integrierte Gemeinschaftsprojekt, genannt „kolokation-sonnwendviertel“, entsteht derzeit am Hauptbahnhof.

 

Liebe an Gemeinschaftlichen Wohnen Interessierte!

 

Wir veranstalten jeweils jeden zweiten Dienstag im Monat einen kolokation-Stammtisch im Hotel "One", Wien Hauptbahnhof, Gerhard Bronner-Straße 11, 1100 Wien (im Sonnwendviertel). 

Wir stellen die neuesten Entwicklungen unseres Wohnprojektes "kolokation-sonnwendviertel" vor und freuen uns auf einen lebendigen Austausch und feine Gespräche.

 

Herzliche Einladung dazu!

Das Team von "kolokation-sonnwendviertel"


Wohnprojekt-Frühstück der Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen


Um verschiedene Formen gemeinschaftlichen Wohnens kennenlernen zu können, lädt die Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen in den Monaten April und Mai 2018 jeweils zu einem Wohnprojekt-Frühstück ein. Ort und Termin wird noch bekannt gegeben.

Infos unter Freya Brandl